← Zurück zum Blog
Anzucht & VermehrungPraxisbericht

X-Stream 40 im Herbst: Pflanzen sichern, vermehren und Kulturen neu starten

Von

Gurke neu starten, Vilma für Indoor-Versuche ansetzen, Basilikum für drinnen sichern und ausgewählte Padrón-Pflanzen erhalten: Im Herbst erfüllt die Station viele kleine Aufgaben zugleich.

← Zurück zum Blog
Anzucht & VermehrungPraxisbericht

X-Stream 40 im Herbst: Pflanzen sichern, vermehren und Kulturen neu starten

Von

Gurke neu starten, Vilma für Indoor-Versuche ansetzen, Basilikum für drinnen sichern und ausgewählte Padrón-Pflanzen erhalten: Im Herbst erfüllt die Station viele kleine Aufgaben zugleich.

X-Stream 40 mit verschiedenen Stecklingen und Jungpflanzen am Fenster
Herbstbelegung im X-Stream 40: Mehrere Kulturen und Vermehrungsziele laufen gleichzeitig in einer Station.
Kurzer Rundgang durch die aktuelle Belegung: Der X-Stream dient im Herbst gleichzeitig zum Sichern, Vermehren und Neustarten verschiedener Kulturen.

Ende September verändert sich bei mir die Aufgabe der Vermehrungsstation.

Im Frühjahr geht es vor allem darum, möglichst viel Pflanzenmaterial für die neue Saison aufzubauen. Jetzt läuft die Bewegung in die andere Richtung: Was möchte ich aus dem Sommer mit in den Winter nehmen – und welche Pflanze muss dafür gar nicht selbst gerettet werden?

Die Nächte werden kälter, die Tage kürzer und manche Kulturen draußen beginnen zwangsläufig abzubauen. Ich versuche deshalb nicht, jede alte Pflanze bis zum letzten möglichen Tag zu erhalten.

Viel wichtiger ist mir, rechtzeitig gesundes junges Material zu sichern.

Genau dafür ist mein X-Stream 40 gerade ziemlich voll.

Im Herbst wird aus der Vermehrungsstation eine Übergangsstation

Die 40 Plätze müssen bei mir nicht mit 40 identischen Stecklingen belegt sein.

Im Moment laufen mehrere kleine Projekte gleichzeitig nebeneinander. Einige Pflanzen möchte ich einfach vermehren. Andere sichere ich für den Winter. Wieder andere werden praktisch neu gestartet, damit eine junge Pflanze übernehmen kann, während der alte Bestand draußen langsam ausläuft.

Das ist für mich eine der sinnvollsten Anwendungen des Systems: Es schafft einen Übergang zwischen einer auslaufenden Freilandsaison und den nächsten Indoor-Projekten.

Ich brauche dafür nicht von jeder Kultur große Stückzahlen. Oft reichen wenige gut ausgewählte Triebe.

Gurke: lieber neu starten als die alte Pflanze ewig mitschleppen

Bei der Gurke ist der Gedanke besonders einfach.

Eine große Sommerpflanze hat irgendwann viel hinter sich. Wenn Wetter, Temperatur und Licht schlechter werden, muss ich sie nicht um jeden Preis weiterführen.

Stattdessen kann gesundes Triebmaterial neu bewurzelt werden.

Damit entsteht eine junge Pflanze, während die alte draußen ruhig auslaufen darf.

Ich sehe das weniger als Rettungsaktion und mehr als Reset der Kultur: Nicht die komplette alte Pflanze muss über den Saisonwechsel gebracht werden. Entscheidend ist, dass gesundes Pflanzenmaterial für den nächsten Abschnitt vorhanden ist.

Neue ‘Vilma’-Stecklinge für die Indoor-Versuche

Bei meiner Tomate ‘Vilma’ geht es um etwas anderes.

Davon setze ich neue Stecklinge für verschiedene Indoor-Versuche an.

Gerade für solche Vergleiche ist vegetativ vermehrtes Material praktisch: Die Stecklinge stammen von einer konkreten Mutterpflanze und sind damit genetisch identisches Ausgangsmaterial. Die späteren Unterschiede können natürlich trotzdem durch Standort, Topf, Licht, Wasser oder andere Kulturbedingungen entstehen – aber ich starte nicht jedes Mal mit einer neuen genetischen Kombination aus Saatgut.

Für die kompakte ‘Vilma’ habe ich im Winter noch mehrere Ideen. Die neuen Stecklinge sind dafür mein frischer Ausgangspunkt.

Basilikum: nicht den ganzen Sommerbestand ins Haus schleppen

Auch beim Basilikum beginnt jetzt langsam die Sicherung für drinnen.

Ich möchte nicht jede große Sommerpflanze irgendwo im Haus unterbringen. Das wäre genau das Gegenteil von platzsparender Winterkultur.

Stattdessen nehme ich gesunde Triebe, bewurzle sie und baue daraus einen neuen, jungen Bestand auf.

So kann eine Pflanze draußen ihre Saison beenden, während drinnen bereits die nächste Generation startet.

Gerade bei Basilikum finde ich diesen Wechsel wesentlich sinnvoller, als alte, verholzte oder sehr große Pflanzen auf Biegen und Brechen weiterzuführen.

Basilikum und weitere Stecklinge in einer aeroponischen Vermehrungsstation
Nicht die ganze Sommerpflanze muss mit: Gesunde Triebe reichen, um einen frischen Indoor-Bestand aufzubauen.

Zwergguaven vermehren, solange gutes Material vorhanden ist

Zwergguaven laufen ebenfalls in der Station mit.

Hier steht nicht unbedingt ein saisonaler Notfall dahinter. Ich möchte den vorhandenen Bestand schlicht vermehren und nutze die Station dafür, geeignetes Pflanzenmaterial separat zu bewurzeln.

Genau dafür gefällt mir die gemischte Belegung: Zwischen Gemüse, Kräutern und anderen Stecklingen können auch solche kleinen Vermehrungsprojekte ihren Platz bekommen.

Nicht alles muss gleichzeitig denselben Zweck erfüllen.

Padrón: den Phänotyp sichern, nicht nur die Sorte

Besonders interessant wird vegetative Vermehrung für mich bei einzelnen Padrón-Pflanzen.

Bei vielen Pflanzen einer Sorte gibt es Unterschiede. Manche fallen durch Wuchs auf, andere durch Ertrag, Fruchtgröße, Schärfe oder Geschmack.

Wenn bei mir eine Padrón-Pflanze auffällig mild und gleichzeitig ertragreich ist, möchte ich genau diese Einzelpflanze nicht nur über Saatgut weiterverfolgen.

Saatgut bedeutet eine neue Generation. Dabei ist nicht garantiert, dass exakt dieselbe Merkmalskombination wieder auftaucht.

Ein Steckling ist etwas anderes: Er erhält das genetische Ausgangsmaterial der ausgewählten Einzelpflanze. Ob milder Geschmack und hoher Ertrag unter neuen Kulturbedingungen erneut auftreten, beobachte ich anschließend weiter.

Deshalb bekommen solche Pflanzen bei mir einen Platz im X-Stream. Nicht jede Padrón ist automatisch erhaltenswert – aber wenn eine Einzelpflanze im Sommer positiv heraussticht, möchte ich sie wenigstens als Klon weiter testen können.

Gemischte Vermehrungsprojekte mit verschiedenen Pflanzen im X-Stream 40
Mehrere Projekte auf wenig Fläche: Im Herbst nutze ich freie Plätze gezielt für Pflanzen, die ich vermehren oder für den Winter sichern möchte.

40 Plätze bedeuten nicht 40-mal dasselbe

Genau darin liegt für mich zurzeit der eigentliche Nutzen des X-Stream 40.

Die Station ist keine reine Massenvermehrung für eine einzige Kultur.

Aktuell ist sie eher eine kleine Pipeline:

  • Gurken werden neu gestartet.
  • ‘Vilma’ wird für Indoor-Versuche vervielfältigt.
  • Basilikum wird für den Winter gesichert.
  • Zwergguaven werden vermehrt.
  • interessante Padrón-Phänotypen werden erhalten.
  • daneben laufen weitere kleinere Projekte.

Manche Stecklinge werden schnell interessant, andere brauchen länger. Sobald etwas ausreichend bewurzelt ist, kann es aus der Station heraus und der Platz wird wieder frei.

Dadurch bleibt das System in Bewegung.

Verschiedene Pflanzenstecklinge in den Einsatzöffnungen eines X-Stream 40
Gemischte Belegung statt Monokultur: Verschiedene Stecklinge können für unterschiedliche Folgeprojekte gleichzeitig in der Station stehen.

Was unter der Trägerplatte passiert

Von oben sieht der X-Stream schnell einfach wie eine Platte mit vielen Pflanzen aus. Den Sedum-Ansatz dokumentiere ich separat.

Der eigentliche Arbeitsbereich liegt darunter.

Die unteren Triebabschnitte hängen in der feuchten Sprühzone. Genau dort sollen sich die neuen Wurzeln entwickeln.

Für mich ist das auch praktisch, weil ich den Wurzelbereich kontrollieren kann, ohne einen Steckling ständig aus Erde ziehen zu müssen.

Gerade bei so vielen unterschiedlichen kleinen Projekten ist diese Sichtbarkeit hilfreich: Ich kann erkennen, was bereits reagiert und was noch Zeit braucht.

Sprühdüse und feuchte Sprühzone im X-Stream Vermehrungssystem
Unter der Trägerplatte: Die Sprühzone hält die unteren Triebabschnitte feucht und macht den Wurzelbereich später kontrollierbar.

Sauberkeit wird bei gemischter Nutzung noch wichtiger

Wenn verschiedene Kulturen gleichzeitig in einer Station stehen, möchte ich abgestorbenes Pflanzenmaterial dort nicht lange liegen lassen.

Welke Blätter, weiche Triebteile und anderes Material, das nichts mehr zum Versuch beiträgt, fliegt raus.

Das System selbst halte ich möglichst sauber.

Der X-Stream ist für mich gerade deshalb praktisch, weil er immer wieder neu belegt wird. Diese Flexibilität funktioniert aber besser, wenn alte Pflanzenreste nicht zum dauerhaften Bestandteil des Systems werden.

Nicht alles überwintern – das Richtige sichern

Das ist wahrscheinlich mein wichtigster Gedanke für diese Jahreszeit.

Ich muss nicht jede Pflanze retten.

Eine alte Gurke darf sterben, wenn ihr gesunder Nachfolger bereits bewurzelt wird.

Eine große Basilikumpflanze muss nicht ins Wohnzimmer, wenn ein kleiner frischer Steckling denselben Bestand neu aufbauen kann.

Und bei einer besonderen Padrón geht es nicht darum, irgendeine Pflanze durchzubringen, sondern genau den interessanten Phänotyp zu erhalten.

Dadurch wird Überwinterung für mich wesentlich übersichtlicher.

Nicht möglichst viel Pflanzenmasse in den Winter schleppen – sondern gezielt das Material sichern, mit dem ich weiterarbeiten möchte.

Mein X-Stream 40 im Herbst

Im Frühjahr ist eine Vermehrungsstation schnell eine reine Jungpflanzenmaschine.

Im Herbst gefällt sie mir fast noch besser.

Jetzt wird selektiert, gesichert, verjüngt und neu gestartet. Der Sommerbestand liefert das Material, aber nicht jede alte Pflanze muss mitkommen.

So entstehen parallel schon die nächsten Indoor-Kulturen, während draußen die Saison langsam ausläuft.

Und genau deshalb sind die 40 Plätze bei mir gerade nicht mit einem einzigen Projekt gefüllt.

Sie sind der Übergang zwischen dem, was dieses Jahr gewachsen ist, und dem, womit ich im Winter weiterarbeiten möchte.

Verwendete Technik & Bezugsquellen

Nutriculture X-Stream 40

Dieses aeroponische Vermehrungssystem mit 40 Stecklingsplätzen verwenden wir auch bei Nordlicht. Hier findest du das vorgestellte Modell direkt beim Händler.

Werbung · Affiliate-Link

X-Stream 40 bei Growmart ansehen

Wenn du über diesen Link einkaufst, können wir eine Provision erhalten. Für dich entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten. So unterstützt du unsere unabhängigen Praxisprojekte.