← Zum Thema Pflanzen kultivieren
Garten & KräuterPflanzenpraxis

Basilikum blühen lassen? Warum ich viele Pflanzen bewusst nicht zurückschneide

Von

Mein Genovese trägt zeitweise mehr Blüten als Blätter. Im Garten ist das für mich eine bewusste Nutzung – für die reine Blatternte würde ich anders schneiden.

← Zum Thema Pflanzen kultivieren
Garten & KräuterPflanzenpraxis

Basilikum blühen lassen? Warum ich viele Pflanzen bewusst nicht zurückschneide

Von

Mein Genovese trägt zeitweise mehr Blüten als Blätter. Im Garten ist das für mich eine bewusste Nutzung – für die reine Blatternte würde ich anders schneiden.

Blühendes Genovese-Basilikum mit zahlreichen grünen Blütenständen
Genovese-Basilikum in Vollblüte: Bei diesen Pflanzen stehen die Blütenstände inzwischen deutlich stärker im Vordergrund als die Blattproduktion.

Bei Basilikum hört man oft denselben Rat: Blüten raus, damit die Pflanze weiter Blätter macht.

Für reine Blattproduktion ist das nachvollziehbar. Wer möglichst lange viele junge, weiche Blätter ernten möchte, hält die Pflanze mit regelmäßigem Schnitt stärker im vegetativen Wachstum.

Ich mache das trotzdem nicht bei allen Pflanzen.

Ein Teil meines Basilikums darf ganz bewusst blühen. Nicht, weil ich unbedingt Saatgut ernten möchte, sondern weil Basilikum bei mir nicht nur Gewürzpflanze ist. Es ist gleichzeitig Teil des Gartens.

Auf den Bildern ist Genovese-Basilikum zu sehen, das diesen Punkt ziemlich deutlich erreicht hat: mehr Blütenstände als Blätter.

Und wenn das Gesamtbild am Ende so aussieht, habe ich damit überhaupt kein Problem.

Blüte ist nicht automatisch ein Fehler

Eine blühende Basilikumpflanze wird schnell so behandelt, als hätte man bei der Kultur etwas verpasst.

Für mich ist das zu einfach.

Entscheidend ist zuerst die Frage: Was soll diese Pflanze überhaupt leisten?

Wenn ich Basilikum für möglichst hohe Blattproduktion ziehe, schneide ich anders. Dann werden Triebspitzen regelmäßig geerntet, Blütenansätze entfernt und die Pflanze zu neuem Austrieb angeregt.

Steht dieselbe Pflanze aber im Garten zwischen anderen Kulturen und Stauden, kann die Blüte selbst Teil der gewünschten Nutzung sein.

Dann verliert die Pflanze nicht einfach ihren Wert, nur weil sie nicht mehr wie eine kompakte Küchenpflanze aussieht.

Mein Genovese-Basilikum: mehr Blüte als Blatt

Bei diesem Genovese-Basilikum ist die Entwicklung weit fortgeschritten.

Die langen Blütenstände stehen deutlich über der verbliebenen Blattmasse. Aus einer klassischen Kräuterpflanze ist optisch fast eine kleine Blühstaude geworden.

Genau deshalb habe ich sie nicht zurückgeschnitten.

Der Bestand funktioniert für mich im Gartenbild. Zwischen Gemüse, anderen Kräutern und blühenden Pflanzen entsteht keine einzelne „abgeschossene“ Basilikumpflanze, sondern eine weitere vertikale Blütenstruktur.

Dass ich dadurch weniger perfekte große Basilikumblätter ernte, nehme ich bewusst in Kauf.

Warum ich Basilikum blühen lasse

Für mich hat die Blüte mehrere Funktionen.

Die Pflanze bekommt eine zweite Rolle

Vor der Blüte ist Basilikum vor allem Blattpflanze.

Während der Blüte verändert sich seine Wirkung deutlich. Die langen, aufrechten Blütenstände bringen Struktur in Pflanzungen und machen Basilikum auch optisch zu einer ganz anderen Pflanze.

Gerade wenn mehrere Pflanzen zusammenstehen, kann daraus ein erstaunlich dichter Blütenbestand werden.

Die Blüten werden genutzt

Basilikumblüten werden von verschiedenen blütenbesuchenden Insekten angenommen.

Für mich ist das ein zusätzlicher Grund, nicht jeden Blütenansatz sofort zu entfernen.

Ich pflanze und vermehre ohnehin viele Kulturen nicht nur nach ihrem direkten Nutzwert für mich. Wenn eine Pflanze gleichzeitig im Garten etwas anbietet, darf sie das auch.

Nicht jede Pflanze muss maximal auf Ertrag geführt werden

Das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt.

Ich brauche nicht von jeder Basilikumpflanze die maximal mögliche Blattmenge.

Wenn genügend Pflanzen vorhanden sind, kann ein Teil konsequent für die Küche geführt werden und ein anderer Teil darf blühen.

Damit wird aus einer Entweder-oder-Frage eine einfache Aufteilung der Bestände.

Mehrere blühende Genovese-Basilikumpflanzen im Garten
Nicht zurückgeschnitten: Mehrere Basilikumpflanzen dürfen bei mir vollständig in die Blüte gehen.

Wann ich die Blüten trotzdem entfernen würde

Blühen lassen ist für mich keine allgemeine Empfehlung für jede Situation.

Wenn ich nur wenige Basilikumpflanzen hätte und möglichst viel frisches Blattmaterial ernten wollte, würde ich die Triebspitzen regelmäßig schneiden.

Dasselbe gilt für Pflanzen, die speziell für eine laufende Ernte unter kontrollierten Bedingungen stehen. Dort interessiert mich die Blütenwirkung wesentlich weniger als kontinuierlicher Neuaustrieb.

Die Entscheidung hängt deshalb vom Zweck ab:

Blattproduktion im Vordergrund: regelmäßig schneiden.

Gartenwirkung und Mehrfachnutzung im Vordergrund: Blüte zulassen.

Beides kann mit derselben Kultur richtig sein.

Der Unterschied wird erst im Gesamtbild sichtbar

Eine einzelne stark blühende Basilikumpflanze kann auf einem Foto schnell überständig wirken.

Im gesamten Beet sieht das anders aus.

Auf dem Übersichtsbild steht das Basilikum nicht isoliert. Es ist eingebettet zwischen Tomaten, Paprika, Rosen, weiteren Kräutern und anderen blühenden Pflanzen.

Genau dort ergibt die Entscheidung für mich Sinn.

Gemischter Garten mit Basilikum, Tomaten, Paprika, Rosen und weiteren Pflanzen
Das Gesamtbild entscheidet: Zwischen Gemüse, Kräutern, Rosen und anderen Blühpflanzen wird das Basilikum Teil der gesamten Pflanzung.

Die Blüte wird nicht als Rest einer abgeernteten Kräuterpflanze wahrgenommen, sondern als Teil einer gemischten Pflanzung.

Das ist auch der Grund, warum ich solche Entscheidungen ungern nur nach einzelnen Pflanzen bewerte. Der Garten funktioniert als System und nicht als Sammlung perfekt geführter Einzelkulturen.

Saatgut ist hier gar nicht das Ziel

Man könnte vermuten, dass ich die Pflanzen deshalb ausblühen lasse, um Saatgut zu gewinnen.

Das ist bei diesen Pflanzen nicht der Hauptgrund.

Natürlich kann aus einer vollständigen Blüte später Saatgut entstehen. Aber der eigentliche Wert liegt für mich schon vorher in der Blüte selbst und in ihrer Wirkung innerhalb des Gartens.

Ich lasse sie also nicht erst dann stehen, wenn ich Samen brauche.

Ich lasse sie stehen, weil mir die Pflanze so gefällt und weil sie in dieser Phase eine andere Aufgabe übernimmt.

Mein Fazit: Nicht jede Blüte muss weg

Wer möglichst viel Basilikum für Pesto, Küche oder Verkauf ernten möchte, sollte die Pflanzen entsprechend führen und regelmäßig zurückschneiden.

Aber daraus folgt nicht, dass Blüte bei Basilikum grundsätzlich unerwünscht ist.

Bei mir dürfen viele Pflanzen genau diesen Schritt machen.

Mein Genovese auf diesen Bildern ist dafür ein ziemlich extremes Beispiel: mehr Blüten als Blätter.

Als reine Ertragspflanze würde ich ihn anders führen.

Als Teil meines Gartens passt er für mich genau so.

Und solange das Gesamtbild am Ende funktioniert, sehe ich keinen Grund, jede Basilikumblüte reflexartig abzuschneiden.

Weiterlesen

Blüte im Gartenkontext

Hier steht die eigene Entscheidung für blühenden Basilikum im Mittelpunkt. Das Gartenprojekt zeigt den größeren Pflanzenbestand und seine unterschiedlichen Aufgaben.