Thermografie bei Pflanzenlicht: Was Wärmebilder wirklich zeigen
Im Oktober 2025 habe ich mit einer Wärmebildkamera Pflanzen und Leuchten betrachtet. Die Aufnahmen machen thermische Unterschiede sichtbar – sie ersetzen aber weder eine vollständige Klimamessung noch einen Lichttest.

Die Idee hinter der Testreihe war sinnvoll: Wärme nicht nur über ein Raumthermometer beurteilen, sondern dort ansehen, wo sie entsteht und wirkt – am Leuchtenkörper und an der Blattoberfläche. Für die heutige Einordnung trenne ich bewusst zwischen dem, was auf den Bildern direkt erkennbar ist, und dem, was sich daraus noch nicht belastbar ableiten lässt.
- Zeitraum
- Oktober 2025
- Material
- drei eigene Thermogramme
- Fragestellung
- Wärmeverteilung an Leuchten und Pflanzen
- Einordnung
- Praxisversuch, kein kalibrierter Labortest
Leuchten: Hotspots werden sichtbar
Auf beiden Leuchtenaufnahmen liegen die markierten warmen Flächen deutlich über den kühleren Vergleichspunkten. Im ersten Bild zeigt die Kamera 46,8 °C und 44,1 °C an zwei warmen Stellen sowie 26,1 °C an einem kühleren Oberflächenpunkt. Im zweiten Bild sind 45,1 °C, 41,8 °C und 25,7 °C markiert.


Was daraus nicht folgt: Eine warme Leuchtenoberfläche beweist weder eine schlechte Effizienz noch eine zu hohe Temperatur an der Pflanze. Dafür müssten unter anderem elektrische Leistung, Lichtmenge und -verteilung, Abstand, Luftbewegung, Laufzeit und die tatsächliche Temperatur im Bestand gemeinsam erfasst werden.
Blätter: Ein Bestand hat nicht nur eine Temperatur
Im Pflanzenbild sind 29,8 °C, 28,0 °C und 25,0 °C markiert. Die ausgewählten Punkte liegen damit um bis zu 4,8 Kelvin auseinander. Das ist ein guter Hinweis darauf, dass Position, Anströmung, Bestrahlung und Verdunstung innerhalb eines Bestands unterschiedliche Bedingungen erzeugen können.
Eine Wärmebildkamera kann solche Muster schnell sichtbar machen. Ob ein wärmeres Blatt aber tatsächlich unter Wasserstress steht, schwächer transpiriert oder lediglich stärker bestrahlt wird, lässt sich aus einem einzelnen Bild nicht entscheiden.
Warum das für den VPD interessant ist
Der Dampfdruckunterschied an der Blattoberfläche hängt nicht nur von Lufttemperatur und relativer Luftfeuchte ab, sondern auch von der Blatttemperatur. Ist das Blatt kühler oder wärmer als die Luft, verändert sich der tatsächliche Verdunstungsantrieb der Pflanze.
Thermografie kann deshalb eine zusätzliche Messgröße liefern. Aus einem Wärmebild allein entsteht jedoch noch kein belastbarer Blatt-VPD: Dafür braucht es zeitgleich mindestens die Lufttemperatur und relative Luftfeuchte auf Höhe des Bestands sowie eine sauber erfasste Blatttemperatur. Die kühlen Punkte in einem Thermogramm sind keine Messung der Lufttemperatur.
Das zeigen die Aufnahmen
- thermische Muster und ausgewählte Oberflächenpunkte
- warme Zonen am Leuchtenkörper
- Temperaturunterschiede innerhalb des Blattbereichs
- sinnvolle Stellen für weitere Sensoren und Kontrollen
Das zeigen sie nicht
- PPFD, Spektrum oder Lichtverteilung
- elektrische Effizienz der Leuchte
- Transpiration oder Photosynthese als direkte Messwerte
- einen vollständigen VPD ohne Lufttemperatur und Luftfeuchte
So würde aus dem Versuch eine belastbarere Messreihe
Für einen echten Vergleich müssten die Bedingungen wiederholbar dokumentiert werden: gleiche Aufwärmzeit, gleicher Abstand und Blickwinkel, bekannte Kameraeinstellungen einschließlich Emissionsgrad und reflektierter Temperatur, Lufttemperatur und Luftfeuchte auf Bestandshöhe sowie mehrere Messpunkte oder Flächenmittel statt nur einzelner Marker.
Bei Leuchten kämen PPFD-Verteilung und Leistungsaufnahme hinzu. Bei Pflanzen wären mehrere Blätter, verschiedene Positionen im Bestand und Wiederholungen zu unterschiedlichen Zeiten nötig. Erst die Verbindung dieser Daten erlaubt eine saubere Aussage über Licht, Wärme, Luftführung und Pflanzenreaktion.
Die Wärmebildkamera ist kein fertiges Urteil. Sie ist ein starkes Werkzeug, um die richtigen Stellen für die nächste Messung zu finden.
Mein Fazit aus Oktober 2025
Die Testreihe war kein Lampenranking und keine wissenschaftliche VPD-Steuerung. Sie zeigte aber sehr anschaulich, warum ein einzelner Raumwert oft zu grob ist: Am Gerät und im Pflanzenbestand entstehen gleichzeitig deutlich unterschiedliche Oberflächentemperaturen. Genau diese Unterschiede sind für eine systematische Fehlersuche wertvoll.
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