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Garten & PflanzenwissenBlüten und Insekten

Gefüllte Dahlien und Insekten: schön für uns – aber was bleibt für Bestäuber?

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Meine Dahlie blüht reichlich, doch ihre Mitte liegt unter dicht angeordneten Blütenelementen verborgen. Was bedeutet das für Bienen, Schwebfliegen und andere Blütenbesucher?

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Garten & PflanzenwissenBlüten und Insekten

Gefüllte Dahlien und Insekten: schön für uns – aber was bleibt für Bestäuber?

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Meine Dahlie blüht reichlich, doch ihre Mitte liegt unter dicht angeordneten Blütenelementen verborgen. Was bedeutet das für Bienen, Schwebfliegen und andere Blütenbesucher?

Gefüllte rosa-weiß gezeichnete Dahlie mit vielen offenen Blüten und Knospen im Topf
Offene Blüten und neue Knospen stehen gleichzeitig an meiner Dahlie. Wie viel Nahrung Blütenbesucher hier tatsächlich erreichen, lässt sich allein an der Zahl der Blüten nicht ablesen.

Meine gefüllte Dahlie ist genau die Art Pflanze, bei der ich sofort verstehe, warum solche Sorten gezüchtet werden. Die Blüten bestehen aus unzähligen dicht angeordneten Blütenelementen, die Zeichnung reicht von fast Weiß bis zu kräftigem Rosa, und auf der Pflanze stehen gleichzeitig offene Blüten und neue Knospen.

Optisch funktioniert das hervorragend. Wenn ich mir dieselbe Blüte aber aus Sicht eines Insekts anschaue, sieht die Sache anders aus. Von der für Korbblütler typischen offenen Blütenmitte ist praktisch nichts mehr zu erkennen. Was bedeutet diese starke Füllung für Bienen, Schwebfliegen und andere Blütenbesucher?

Stark gefüllte Dahlien sind als direkte Pollen- und Nektarquelle in der Regel deutlich weniger zugänglich als offene, einfach blühende Dahlien. Ganz so einfach wie „gefüllt = nutzlos“ ist es trotzdem nicht.

Eine Dahlienblüte ist eigentlich ein ganzer Blütenstand

Dahlien gehören zu den Korbblütlern (Asteraceae). Was für uns wie eine einzelne große Blüte aussieht, besteht botanisch aus vielen kleinen Einzelblüten, die gemeinsam einen Blütenkorb bilden.

Bei einer einfach blühenden Dahlie lässt sich das gut erkennen. Außen sitzen auffällige Zungenblüten; im offenen Zentrum befinden sich zahlreiche kleine Röhren- oder Scheibenblüten. Gerade diese Mitte ist für Bestäuber interessant. Dort finden sich gut zugängliche pollen- und nektarführende Einzelblüten.

Bei meiner gefüllten Dahlie ist die Mitte praktisch verschwunden

Genau das zeigt meine aktuelle Pflanze. Die Blüte besteht aus vielen dicht übereinanderliegenden Blütenelementen. Ein frei zugängliches gelbes Zentrum, wie ich es von einer einfach blühenden Dahlie erwarten würde, ist auf diesen Fotos nicht zu sehen.

Bei stark gefüllten Formen sind viele zungenblütenähnliche Strukturen ausgebildet. Die zentralen Scheibenblüten können dadurch verdeckt sein oder in geringerer Zahl vorkommen. Das erschwert den Zugang zu genau dem Bereich, an dem viele Insekten sonst Nahrung aufnehmen würden.

Die Royal Horticultural Society empfiehlt für Bestäuber einfache und halbgefüllte Dahlien mit offen sichtbarem Zentrum. Bei stark gefüllten Formen wie Pompon- oder Kaktus-Dahlien ist der Zugang zu Pollen und Nektar erheblich schlechter. Welche Sortengruppe meine eigene Dahlie genau repräsentiert, lege ich ohne Sortennamen nicht fest.

Nahaufnahme einer dicht gefüllten rosa-weiß gestreiften Dahlienblüte ohne sichtbares offenes Zentrum
In der Nahaufnahme bleibt der zentrale Bereich unter den dichten Blütenelementen verborgen. Ob einzelne kleine Blüten später zugänglich werden, lässt sich aus diesem Foto nicht sicher beurteilen.

Der Unterschied wurde auch bei Insektenbesuchen gemessen

Eine Untersuchung in einem britischen öffentlichen Garten verglich die Besuche von Blüteninsekten an verschiedenen Zierpflanzen. Beim näheren Vergleich von Dahlienformen waren offene Formen dort ungefähr zwanzigmal attraktiver für Blütenbesucher als geschlossene Formen. Das ist ein Ergebnis für die untersuchten Sorten und den beobachteten Garten, kein gemessener Faktor für meine Dahlie.

In einer weiteren Untersuchung wurden die offen blühenden Sorten ‘Bishop of Llandaff’ und ‘Bishop of Oxford’ stärker besucht als eine Pompon- und eine Semikaktus-Dahlie. Die Autoren halten den schlechteren Zugang zu den Scheibenblüten für eine wahrscheinliche Erklärung; auch eine geringere Zahl solcher Einzelblüten ist möglich.

Ein Insekt findet zwar eine große auffällige Blüte vor. Entscheidend ist aber, ob es dort an Nahrung gelangt. Aus meinen drei Fotos lässt sich weder die Nektarmenge noch eine Besuchsrate bestimmen.

Viele Blütenblätter bedeuten nicht automatisch viel Nahrung

Für unser Auge wirkt eine große gefüllte Blüte nach „mehr“: mehr Farbe, Volumen und Fläche. Für einen Bestäuber können zusätzliche Blütenstrukturen die interessanten Bereiche verdecken. Das erklärt, warum die sichtbare Blütenfülle kein verlässliches Maß für zugänglichen Pollen oder Nektar ist.

Untersuchungen an anderen Gartenpflanzen zeigen ebenfalls, dass gefüllte Formen je nach Art weniger Nektar bereitstellen können. Das lässt sich nicht pauschal auf jede Dahlien-Kultursorte übertragen. Hier ist vor allem die tatsächliche Zugänglichkeit der fertilen Blüten entscheidend.

Ist meine gefüllte Dahlie deshalb vollkommen wertlos?

So würde ich es nicht formulieren. „Weniger wertvoll als eine offene Dahlie“ ist etwas anderes als „ökologisch vollkommen wertlos“.

Auch gefüllte Dahlien unterscheiden sich untereinander. Manche öffnen im Lauf der Blütenentwicklung Bereiche, an denen einzelne fertile Blüten zugänglich werden; halbgefüllte Formen können eine sichtbare Mitte behalten. Andere Sorten bleiben praktisch geschlossen. Für meine fotografierte Blüte kann ich nur sagen, dass die Mitte im abgebildeten Stadium nicht offen liegt.

Es gibt deshalb keinen sinnvollen Schalter „ungefüllt = gut, gefüllt = wertlos“. Je besser Blütenbesucher die pollen- und nektarführenden Einzelblüten erreichen können, desto interessanter wird eine Dahlie als Nahrungsquelle. Meine stark gefüllte Pflanze liegt auf dieser Skala vor allem auf der dekorativen Seite.

Bei der Auswahl schaue ich zuerst auf das Zentrum

Wenn ich Dahlien speziell für Insekten auswählen würde, wäre für mich ein Merkmal wichtiger als Farbe und Blütengröße: Kann ich die Blütenmitte sehen und erreichen Insekten die kleinen Blüten dort?

Bei einfach blühenden Dahlien umgeben meist ein oder zwei Reihen auffälliger Zungenblüten den offenen zentralen Bereich. Dort können Bestäuber landen und sich über die Einzelblüten bewegen. Die RHS führt solche Dahlien deshalb auch als Pflanzen für Bestäuber.

Eine sichtbar offene Mitte ist ein praktischer Hinweis beim Kauf. Sie ist noch keine Garantie für eine bestimmte Nektarmenge oder für eine bestimmte Zahl von Besuchen im eigenen Garten.

Halbgefüllt kann ein sinnvoller Mittelweg sein

Zwischen einer einfachen Dahlie und meiner stark gefüllten Pflanze gibt es viele Zwischenformen. Eine halbgefüllte Dahlie kann zusätzliche Blütenelemente besitzen und trotzdem einen offenen Teil des Zentrums behalten. Solange Insekten an die fertilen Einzelblüten gelangen, bleibt zumindest ein Teil des Nahrungsangebots nutzbar.

Für mich ist das hilfreicher als ein pauschales Verbot gefüllter Blüten. Ich muss dekorative Sorten nicht aus dem Garten werfen. Ich sollte nur wissen, welche Funktion sie erfüllen und welche nicht.

Gerade der späte Blühzeitpunkt ist interessant

Dahlien blühen bei uns oft vom Sommer weit in den Herbst, häufig bis zu stärkerem Frost. Gerade spät in der Saison können offen blühende Sorten noch Nahrung bieten, wenn andere Sommerblumen nachlassen. Die RHS hebt diesen späten Wert offener Dahlien hervor.

Eine vollständig gefüllte Dahlie kann zur selben Zeit spektakulär blühen, ohne für Blütenbesucher annähernd dasselbe zugängliche Angebot bereitzustellen. Von außen können beide viele Blüten tragen. Für ein Insekt sind es trotzdem unterschiedliche Blütenstände.

Meine gefüllte Dahlie darf bleiben

Meine Pflanze gefällt mir. Das ändert sich nicht dadurch, dass eine einfach blühende Dahlie für Bestäuber wertvoller wäre. Ich sehe sie vor allem als auffällige Zierpflanze. Für Bestäuber kann ich daneben Pflanzen mit gut zugänglichen Blüten setzen.

Dazu gehören etwa einfach blühende Dahlien, ungefüllte Cosmeen, geeignete spät blühende Stauden und Kräuter mit offenen Blütenständen. Welche Pflanzen im eigenen Garten tatsächlich besucht werden, möchte ich lieber beobachten als aus einer Artenliste ableiten.

Dann muss nicht jede einzelne Pflanze zugleich maximale Zierwirkung, Raupenfutter, Nistplatz und Nektarquelle bieten. Entscheidend ist das Zusammenspiel im Garten.

Rosa-weiß gefüllte Dahlie im Topf mit zahlreichen Blüten und mehreren geschlossenen Knospen
Viele Blüten und Knospen belegen eine üppige Blüte der Pflanze. Sie belegen nicht, wie viel Pollen oder Nektar für Insekten zugänglich ist.

Einfach blühende Cosmeen zeigen den Gegensatz

Bei einer einfach blühenden Cosmee liegt das gelbe Zentrum offen. Bei dieser Dahlie ist die Mitte unter vielen dicht angeordneten Blütenelementen verborgen. Beide können eindrucksvoll aussehen, doch ihr Blütenaufbau unterscheidet sich für Besucher erheblich. „Blüht viel“ bedeutet nicht automatisch „bietet viel Nahrung“.

Meine Cosmeen dokumentiere ich in einem eigenen Beitrag bislang vor allem beim vegetativen Wachstum. Er zeigt noch keinen fotografischen Vergleich offener Cosmeenblüten mit dieser Dahlie.

Auch eine reich blühende Pflanze kann wenig Nahrung anbieten

Meine Dahlie trägt viele Blüten und gleichzeitig weitere Knospen. Auf den ersten Blick könnte man denken, dass hier für Insekten besonders viel zu holen sei. Die reine Zahl der Blüten sagt darüber jedoch wenig aus.

Eine Pflanze mit offenen, gut erreichbaren Einzelblüten kann interessanter sein als eine Pflanze mit vielen großen gefüllten Blüten, deren Mitte verborgen bleibt. Statt nur von „Blütenangebot“ zu sprechen, frage ich mich deshalb: Wie viel tatsächlich zugängliches Nahrungsangebot steckt darin?

Gefüllte Dahlien ergänzen statt verteufeln

Für meinen Garten ziehe ich daraus keine komplizierte Regel. Wenn mir eine gefüllte Dahlie gefällt, darf sie bleiben. Ich würde sie aber nicht als meine wichtigste „Bienenpflanze“ einplanen. Dafür gibt es bessere Dahlienformen.

Eine praktische Mischung ist: stark gefüllte Dahlien für die Optik, einfach oder halbgefüllt blühende Dahlien für besser erreichbare Blütenressourcen und weitere Pflanzen mit unterschiedlichen Blütezeiten und ökologischen Funktionen. So muss ich mich nicht zwischen einem schönen Garten und Insekten entscheiden.

Mein Fazit: wunderschön, mit einer klaren Grenze

Meine gefüllte Dahlie zeigt, wie weit Züchtung das Aussehen eines Blütenstandes verändern kann. Für uns Menschen bedeutet das mehr Fülle und eine auffällige Blüte. Für Bestäuber bedeutet es häufig schlechteren Zugang zu den pollen- und nektarführenden Scheibenblüten.

Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt die britische Gartenuntersuchung: Die dort verglichenen offenen Dahlienformen wurden ungefähr zwanzigmal häufiger von Blütenbesuchern aufgesucht als geschlossene Formen. Dieser Faktor ist keine Messung an meiner Pflanze.

Deshalb würde ich meine Dahlie weder schönreden noch aussortieren. Sie ist vor allem für mich da. Wenn daneben auch für Bienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge und andere Blütenbesucher etwas übrig bleiben soll, setze ich bewusst offene Blüten dazu.

Namen und Einordnung
Deutscher Name: Dahlie; bei Gartenformen auch Gartendahlie.
Botanische Gattung: Dahlia.
Familie: Asteraceae (Korbblütler).
Englisch: dahlia.
Zur gezeigten Pflanze: Die genaue Sorte und Abstammung sind mir nicht sicher bekannt. Deshalb ordne ich ihr keinen unbelegten Artnamen zu.

Andere Pflanzenbeobachtungen aus demselben Garten verbinde ich im Garten-Gesamtprojekt. Der Cosmeen-Beitrag dokumentiert eine andere Frage: warum manche Pflanzen lange wachsen, bevor Knospen erscheinen.

Weiterlesen

Blüten im Garten einordnen

Cosmeen und das Gartenprojekt geben weitere Praxisbezüge. Die Beobachtung an dieser Dahlie bleibt ein Einzelfall.