Jede Pflanze bekommt ihren Platz
Unser Garten soll deutlich artenreicher werden. Dafür ziehen wir nicht nur einzelne Pflanzen heran, sondern denken gleich in Gruppen, Mutterpflanzen und den nächsten Vermehrungsrunden.

Seit unserem Einzug in diesem Jahr entsteht aus vielen einzelnen Ideen langsam ein zusammenhängender Garten. Es gibt sonnige und knochentrockene Flächen, Bereiche am Waldrand, kleine Wurzelräume, Mauern, vorhandene Beete und Stellen, die bisher kaum sinnvoll genutzt wurden. Genau diese Unterschiede machen das Projekt spannend.
Unser Ziel ist nicht der perfekt durchgeplante Hochglanzgarten. Wir möchten einen lebendigen, artenreichen Garten entwickeln, in dem möglichst jede Pflanze ihren passenden Platz findet. Und meistens bleibt es natürlich nicht bei einem Exemplar. Viele Arten werden ausgesät, geteilt oder über Stecklinge vermehrt – häufig gleich zehn-, zwanzig- oder fünfzigfach.
Vom Gemüse in die Blumenwelt
Mit Gemüse beschäftige ich mich schon lange und habe dort inzwischen sehr vieles ausprobiert. Natürlich bleiben spannende Sorten, Anbausysteme und vor allem die Möglichkeit, eigene Linien weiterzuentwickeln. Aber grundsätzlich ist mir diese Welt vertraut geworden.
Bei Blumen, Wildpflanzen und Stauden sieht das anders aus. Hier öffnet sich gerade ein riesiges neues Feld: unterschiedliche Lebensräume, Blütezeiten, Vermehrungswege und unzählige Arten, die ich bisher kaum kannte. Genau dort möchte ich jetzt tiefer einsteigen, mehr ausprobieren und mein Wissen Schritt für Schritt erweitern.
Das Projekt ist deshalb nicht einfach nur eine große Aussaat. Es ist ein praktischer Lernversuch: Welche Pflanze funktioniert wo – und wie wird aus einer Pflanze eine tragfähige Gruppe?
Der Garten wird zur Versuchsfläche
Die vorhandenen Standorte könnten unterschiedlicher kaum sein. Zwei Vorgartenflächen sind jeweils ungefähr 15 × 3 Meter groß. Dazu kommen ein kleines Brunnenbeet mit nur etwa 20 bis 30 Zentimetern Wurzelraum, eine sonnige Baumreihe, neue Flächen hinter dem Haus sowie Übergänge zum Waldrand.
Der Sommer war extrem trocken. Der Boden ist überwiegend sandig, mager und durstig. Deshalb sollen robuste Arten nicht nur dekorativ verteilt werden. Sandthymian, Oregano, Ysop, Fette Henne und andere trockenheitsverträgliche Pflanzen sollen größere, dauerhaft funktionierende Gruppen bilden. Für Mauern und mineralische Stellen sind unter anderem Alpen-Edelweiß und Sandthymian vorgesehen.
Eine vollständige Bestandsliste gehört bewusst nicht in diesen Beitrag. Dafür verändert sich hier zu viel und es wird am Ende weit mehr wachsen, als eine Momentaufnahme sinnvoll abbilden könnte. Der Blog begleitet deshalb die Flächen, Kulturen, Vermehrungsrunden und Entscheidungen – ohne so zu tun, als wäre damit unser gesamter Pflanzenbestand erfasst.
Volle Platten statt einzelner Töpfe
Alle QuickPot-Platten, die für diese Runde vorgesehen waren, sind inzwischen belegt. Zum System gehören Platten mit 24, 54, 96 und 150 Zellen. Manche Zellen enthalten außerdem mehr als einen Sämling. Die Zahl belegter Zellen ist deshalb noch nicht die endgültige Zahl der Pflanzen, die später pikiert, getopft und ausgepflanzt werden.
Die erste Aussaatrunde ist längst keine Warteliste mehr: Die dafür vorgesehenen Arten sind gekeimt und wachsen entweder bereits draußen oder werden in Platten und Töpfen weiterkultiviert. Dazu gehören unter anderem Feldrittersporn, Sibirisches Herzgespann, großblütige Königskerze, Rosa Nachtkerze, Maximilian-Sonnenblume, Echter Alant sowie einjährige und mehrjährige Wicken. Echter Alant steht bereits mehrfach draußen und wurde zusätzlich noch einmal in Platten ausgesät.
Auch die neu gekauften Stauden dienen nicht nur als einzelne Beetdekoration. Die vermutlich als Prachtkerze bestimmte Pflanze, Blutweiderich, Ehrenpreis, Großblütige Margerite, Skabiose und Polsterthymian sind Ausgangspflanzen. Dazu kommen Arnika, Alpen-Edelweiß, Sandthymian, Hortensie, Callunen und verschiedene Zwiebel- und Knollenpflanzen. Wo eine Art gut funktioniert, soll daraus nach Möglichkeit mehr werden.
Was tatsächlich noch wartet
Im Saatgutbestand liegen weiterhin viele Arten, aber längst nicht alle warten noch auf ihren Start. Offen sind vor allem die Frost- und Kaltkeimer, die zuerst ihre nötige Kältephase bekommen, sowie einjährige, nicht winterharte Arten, deren Aussaat jetzt noch keinen Vorteil bringen würde. Alles andere wird nach verfügbarem Platz, Entwicklungszeit und späterem Standort eingeordnet – nicht nach einer starren Liste.
Damit bleibt die Anzucht trotz vollständig belegter Platten gestaffelt. Sobald Pflanzen nach draußen wechseln, wird wieder Fläche für die nächste Gruppe frei. Nur so lässt sich das Ziel von mindestens 2.000 Pflanzen erreichen, ohne die Indoor-Bereiche schon im Herbst vollständig zu überladen.
Auch Kräuter gehören zur Vielfalt
Artenvielfalt endet für uns nicht bei klassischen Blütenstauden. Verschiedene Thymianformen, Oregano, Ysop, Salbei, Rosmarin, Minzen, Bohnenkraut, Majoran, Estragon, Kerbel, Petersilie und Schnittlauch gehören genauso dazu. Allein beim Basilikum umfasst der Bestand ungefähr zwölf Typen – darunter Genovese, Red Opal, Zitronenbasilikum, Thai-Basilikum und Tulsi – und weit über 100 einzelne Pflanzen.
Gerade Kräuter verbinden mehrere Ziele: Blüten für Insekten, Duft, Nutzung in der Küche und häufig eine unkomplizierte Vermehrung. Das Titelbild dieses Beitrags zeigt genau diese Mischung – einen echten Gartenbereich, der nicht für das Foto gebaut wurde.
Vermehrung statt Einkaufsschleife
Eine Pflanze zu kaufen und irgendwo einzusetzen, ist für mich meistens erst der Anfang. Spannender wird es, wenn daraus viele werden. Deshalb laufen Aussaat, Stecklinge, Teilung, Ausläufer und spätere Saatgutgewinnung parallel.
Geeignete Arten werden zunächst als Mutterpflanzen aufgebaut. Fette Henne, Thymian, Oregano und Ysop sind dafür besonders praktisch. Auch Dahlien, Fuchsien, Chrysanthemen, Echinacea, Primeln und Nelken lassen sich je nach Art über Stecklinge oder Teilung vermehren. Für empfindlichere Kandidaten stehen mit dem X-Stream und dem Pflanzenturm außerdem technische Vermehrungssysteme zur Verfügung.
Nicht alles muss sofort perfekt sein
Für diesen Herbst gilt deshalb eine einfache Richtung: Alles, was sicher draußen wachsen und überwintern kann, soll möglichst früh seinen Platz im Garten bekommen. Die wertvolle Indoor-Fläche bleibt den wirklich empfindlichen Pflanzen, ausgewählten Mutterpflanzen und gezielten Versuchen vorbehalten. Eine große Papaya im 50-Liter-Topf ist beeindruckend – aber im Winter eben auch echter Luxusplatz.
Im Frühjahr wird neu bewertet und notfalls umsortiert. Bis dahin geht es darum, Wurzeln aufzubauen, verschiedene Standorte zu testen und möglichst viel Pflanzenmaterial gesund durch den Winter zu bringen.
Der Ausblick auf 2027
Bis zum Frühjahr 2027 soll aus den Saatgutpositionen, Jungpflanzen und Mutterpflanzen ein deutlich größerer Bestand entstehen. Dabei muss nicht jede Fläche sofort fertig aussehen. Entscheidend ist, Erfahrungen zu sammeln und genügend Material zu haben, um später zusammenhängende Gruppen aufzubauen.
Vermutlich wird nicht jede Aussaat gelingen und nicht jede Art zu unserem Boden passen. Aber jede erfolgreiche Pflanze, jeder bewurzelte Steckling und jede selbst gewonnene Saat bringt uns dem Ziel näher: einem Garten, der jedes Jahr dichter, lebendiger und interessanter wird.
Und wie groß das Ganze am Ende wird? Wahrscheinlich deutlich größer als ursprünglich geplant. 😂
Unser Pflanzenjahr 2026
Der Jahresrückblick wächst Monat für Monat weiter. Januar bis Juni sind bereits erzählt – mit den vorhandenen Fotos und genau den Geschichten, die wir dazu noch sicher wissen.
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